Donnerstag, 18. August 2011

Das leuchtende Mittelalter (Jaques Dalarun, Hrsg.)

Ein großartiges Sachbuch aus dem Primus-Verlag, das ich gerade rezensieren durfte, für alle Mittelalter-Interessierten unbedingt empfehlenswert. Mein Fazit:

"Das leuchtende Mittelalter ist ein wunderbares Buch für interessierte Laien, die sich nicht mit mittelalterlichen Stereotypen zufrieden geben wollen. Die herrlichen Abbildungen laden zum Versinken in fernen Gedankenwelten ein, die sehr gut lesbaren Texte liefern einen wissenschaftlich fundierten Unterbau dazu. Ein Buch, das begeistert, über viele Schmöker-Abende hinweg."

Im französischen Original gab es das Buch schon länger, nun aber eben auch in sehr schöner deutscher Übersetzung.

Die ganze Rezension gibt es wie immer hier:

Literatopia

Als dann!
Lilach

Montag, 15. August 2011

Lesergedanken zu Juli Zeh

Neulich habe ich ein paar freie Abende benutzt, um endlich zwei Bücher zu lesen, die bei mir schon lang herumliegen: "Adler und Engel" und "Alles auf dem Rasen", beide von Juli Zeh, die inzwischen wahrscheinlich jeder kennt. Das erste ist ihr Debütroman, das zweite eine Essaysammlung zu unterschiedlichen Themen.

Für mich ist "die Zeh" besonders interessant, weil wir uns von der Biographie her so ähnlich sind: Beide Jahrgang 1974, beide Juristinnen, beide Schwerpunkt Völkerrecht. Lustigerweise haben wir auch beide bei demselben Jura-Aufsatz-Wettbewerb gewonnen, in unterschiedlichen Jahren. Sie hat allerdings die Juristerei eher an die zweite Stelle gerückt, hat in Leipzig Literatur studiert und betreibt ihre Promotion nach eigener Aussage "als Hobby", wenn ich mich recht erinnere. Na, und natürlich schreibt JZ "richtige Literatur", die "richtige Buchpreise" bekommt. Während ich mir so meine verträumten kleinen Welten zusammenspinne, wo man schon sehr tief graben muss, um zeitgeschichtlich Relevantes zu finden (immerhin, man kann es finden, wenn man will ...) ;-)

Jedenfalls, ich hatte viel erwartet oder vielleicht sogar gefürchtet - immerhin wurde JZ vom "Focus" neulich unter die fünfzig wichtigsten deutschen Schriftsteller der Gegenwart gerechnet. Aber das Gefühl nach dem Lesen beider Bücher war - eigenartig, verwundert. Ich weiß nicht, was genau ich erwartet hatte ... Es muss  mehr gewesen sein oder doch etwas deutlich anderes.

Die Grundidee von "Adler und Engel" ist interessant - der junge, karrieregeile Völkerrechtler, der hinter seiner Top-Kanzlei und deren internationalem Wirken üble Machenschaften entdeckt, plus rührend-sonderbare Liebesgeschichte, Drogenverwirrungen und dergleichen obendrauf - aber, nun ja: Das Grundthema ist spätestens seit "Die Firma" ja doch hinlänglich bekannt. Und dass das "Außen hui, innen pfui" auch auf  vordergründig so menschenfreundliche, friedenschaffende Organisationen wie UN und EU zutreffen kann,  ist nicht wirklich überraschend. Dabei liegen die eigentlichen Schwierigkeiten auf dem Gebiet der internationalen Zusammenarbeit vielleicht weniger in der Verzahnung von Politik, Recht und Drogenhandel, wie "Adler und Engel" das exemplifiziert - mir scheint das Ganze doch wesentlich komplizierter zu sein. Gerade von einer Völkerrechtlerin hätte ich eigentlich eine subtilere, vielschichtigere Herangehensweise erwartet. Aber vielleicht ist es just dieses "Geradeausstreben", was die Kritik so wunderbar "ruppig" und "mutig" fand ...? 
Ich fand es nicht, weder das eine noch das andere. Ja, manches an den Figuren hat mich berührt, manche Ideen waren nachdenkenswert; und vielleicht kann man eigentlich gar nicht mehr erwarten als das. Aber ich habe andererseits wesentlich "schlechtere" Bücher gelesen, will sagen: ohne Preise und ohne begeisterte Besprechungen in FAZ und SZ und wie sie alle heißen, die einen wesentlich tieferen Eindruck hinterlassen haben.

Der Essayband "Alles auf dem Rasen" hat mich nur noch verwirrter zurückgelassen. Ja, die Artikel sind intelligent und gut geschrieben, nun, davon war ich schon ausgegangen bei einer Schriftstellerin und Juristin. Und die sehr dezidierten Meinungen, die JZ zu allen möglichen Themen vertritt, sind natürlich deutlich angenehmer zu lesen als politisch korrektes Herumgeeiere, wie man es sonst so oft ertragen muss. Aber - hatten wir im Jurastudium nicht eigentlich mal gelernt, alles von mindestens zwei Seiten zu betrachten? Ist denn Provokation alles, worauf es heute ankommt? Und wenn  - wäre es dann nicht vielleicht spannender, etwas wirklich Provokantes zu lesen statt einfach nur eine bestimmte Meinung zu einem bestimmten Thema, besonders vehement vertreten?

Um ganz ehrlich zu sein: Ich bin eigentlich ratlos, was ich mit diesen beiden Büchern für mich anfangen soll. Selbst jetzt, etliche Zeit nach der Lektüre, frage ich mich immer noch, was ich wohl aus ihnen lernen, "mitnehmen" könnte, wie man so sagt. Dass die Welt unter der Oberfläche ein noch viel unerfreulicherer Ort ist, als man so vermutet? Dass es auf den Internaten hierzulande noch schlimmer zugeht, als man schon immer geahnt hat? Dass Laien und Juristen sprachlich nie auf einen Nenner kommen können und Frau Merkel zwar eine erfreulich weibliche, aber nicht unbedingt eine gute Bundeskanzlerin ist? 

Hm ... auf die Gefahr hin, naseweis zu wirken: Das wusste ich schon.

Als dann für heut -
Lilach

Freitag, 5. August 2011

Neues Sommerprojekt - im Tiefschnee ;-)

Das ist mal eine bemerkenswerte Erfahrung: Am bislang schwülsten Tag des Jahres 2011 habe ich mit den ersten Zeilen eines neuen kleinen Romans angefangen, der im tiefsten Winter spielt ...

Da "Wind und Feuer" jetzt erstmal gut und trocken beim Verlag liegt (und angesichts der Sommerpause dort bestimmt auch noch ein Weilchen dösen wird), konnte ich mir für die letzten zwei Monate dieses Jahres, die ich zum Schreiben haben werde, ein neues Projekt suchen - d.h., ich konnte eines aufgreifen, was schon seit einer Weile angedacht ist. Der Verlag ist klein und sehr, sehr freundlich, schon die Vorbesprechungen haben großen Spaß gemacht. Es ist ein ganz neues Gefühl, einmal mit einem so überschaubaren Unternehmen zu tun zu haben und nicht mit einem (wenn auch durchaus netten) Giganten wie Heyne / Randomhouse. Ich glaube, ich werde in der nächsten Zeit verstärkt auch danach schauen, solche neuen Dinge auszuprobieren. Es ist spannend, und ich denke, für die Weiterentwicklung auch notwendig.

Ich freue mich also sehr über dieses neue Projekt und fühle mich gleichzeitig ziemlich unter Druck. Erstens ist die Zeit so knapp - bis Ende September, maximal Anfang Oktober müsste ich schon 200 Seiten hinbekommen, viel länger soll "der Neue" auch nicht werden. Zweitens ist es gerade diese neue Kürze, die nicht ganz einfach zu handhaben ist, wenn man ein verträumter Bildermaler ist wie Eure Lilach ;-) Es ist eigentlich eine positive Herausforderung - ich bin schon ganz gespannt darauf, wirklich dichte Szenen anzulegen und alles immer noch mehr zu konzentrieren -  aber ich fürchte mich auch davor. Dass es schief geht, natürlich. Und es ist auch wirklich so, wie Goethe, glaube ich, einmal einem Freund schrieb: "Heute fasse ich mich lang, ich habe keine Zeit" - kurz und prägnant zu schreiben, braucht viel länger, als erst einmal gemütlich vor sich hin zu fabulieren (und dann nachher einzudampfen). Dafür muss man nämlich wissen, worüber man eigentlich in der Hauptsache schreibt; was das Wesentliche der Geschichte ist. Aber das finde ich persönlich meist erst im Lauf der Geschichte selber heraus ... Sie erzählt es mir, so nach und nach. Und nun graue ich mich davor, dass ich diese Geschichte zu sehr unter Druck setzen muss - weil ich unter Druck bin. Und dass ich ihr leises Flüstern vielleicht nicht rechtzeitig verstehen lerne.

Andererseits, es ist ja nicht der Verlag, der mich hetzt, das bin ich selbst bzw. sind die äußeren Umstände. Wenn alles anfangen sollte, sich zu sperren, dann denke ich, dass diese lieben Leute die letzten sein werden, die mich scheuchen. Glücklicherweise kann man kleinere Sachen im Verlagsprogramm ja auch immer leichter unterbringen als längere Romane. Insofern ... Es gibt eine Rettungsleine. Aber ich würde es so sehr gerne schaffen, ohne sie benutzen zu müssen ... Und wenn ich demnächst die Leseprobe hinschicke, sollte die ja auch schon in Ordnung sein und nicht im Sinne von: Das ist jetzt nur so ungefähr, mache ich nachher alles noch ordentlich ... Sonst platzt das schöne Projekt noch, was mir sehr, sehr leid tun würde.

Worum wird es gehen? Der neue Roman, der hiermit den zugegeben seltsamen Codenamen "Icicle" bekommt, wird meine zweite Märchenadaption, aber wohl deutlich freier als der "Schwan" - und auch nicht als All Ager angelegt. Das wird ein Erwachsenenbuch, so viel steht schon mal fest. Und auch keine Fantasy, jedenfalls nicht im üblichen Sinn. Obwohl man natürlich bei einer Märchengrundlage die eine oder andere "magische Komponente" kaum wird weglassen können ... Nun, das werdet Ihr dann schon sehen ;-) Hauptfigur ist diesmal wieder eine Frau - bei "Wind und Feuer" war es ein Junge - und zeitlich geht es, vom "Schwänchen" aus gesehen, noch ein wenig nach rückwärts. Das zugrunde liegende Märchen ist eins, dessen Primäraussage ich ganz abscheulich finde und dementsprechend in eine neue Richtung weiterzuentwickeln gedenke - Ihr könnt ja mal raten, welches es ist ;-) Die Motive und unterschwelligen Bedeutungen sind allerdings sehr, sehr schön und klassisch. Ich hoffe, ich kann ihnen gerecht werden.

Kramt also die alten Märchenbücher schon mal wieder raus - das ist sowieso eine gute Idee, oder nicht? Wundert und schaudert Euch ein bisschen in den Sommerferien, wie damals als Kind. Ich werd's bestimmt tun!

Auf bald diesmal -
Eure
Lilach